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spacer Vrij Nederland Nr. 14, 4. April 2009 (Dt. Übersetzung) selected press
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Videos/Audio

"Philosophisches-EXPERIMENT – WERDE ERWACHSEN! Eine philosophische Ermutigung mit Susan Neiman, Januar 2017

"Trump and Europe: Partners or Rivals?", Deutsche Welle, Quadriga, (Discussion in English with German translation) November 2016

"Trump und Europa: Partner oder Gegner?", Deutsche Welle, Quadriga, (Diskussion auf Deutsch mit englischer Übersetzung) November 2016

"Who Needs Europe?", Socrates Lecture, Humanistic Association Netherlands, Amsterdam, March 2014

"Glück, Vernunft, Ehrfurcht und Hoffnung! – Politik und IdealistInnen?", Karl-Renner-Forum, Wien, Februar 2014

Feature "Moral Clarity", 'Ideas' with Paul Kennedy, CBC Radio, March 2010

"Defining a Moral Compass for the 21st Century?", Jonathan Sacks and Susan Neiman, Jewish Book Week, March 2010

"Susan Neiman on Morality in the 21st Century, Philosophy bites, March 2010

"The Good Society: Virtues for a Post-Recession World", The Institute of Ideas, London, January 2010

"Grote denkers: Susan Neiman", Lux magazine, Feburary 2010

"Making Progress: Rethinking Enlightenment", The Royal Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce (RSA), London, July 1th, 2009

"The Forum", BBC Worldservice, July 5th, 2009

"Race and Religion in the Presidential Election", Cornel West and Susan Neiman, 92nd Street Y, New York, November 26, 2008.

" Ethics on the Air", WBAI, October 8, 2008.

" Moral Clarity:" Tavis Smiley Show, PBS, 11:30 May 13, 2008.

" Achieving Moral Clarity: Reflections for Grown-up Idealists, " Robert Cover Memorial Lecture, Yale Law School, New Haven,Connecticut,

"Beyond Belief", Conference at the Salk Institute, La Jolla, CA, November 6, 2006.

PBS (Public Broadcasting Service, USA),
"NOW with Bill Moyers", 2 January 2004,
The Evolution of the Idea of Evil



Portraits and Interviews

Die Zeit, Juni 2016

Frankfurter Rundschau, 3. Februar 2016

Neue Zürcher Zeitung, 16. März 2014

VETO 4110, Dezember 2014

Trouw, November 2014

Die Zeit, August 2013

Der Standard, Oktober 2010

Cicero, September 2010

New Statesman, February 2010

Spiked, July 2009

Die Welt, Juni 2009

Rheinischer Merkur, Juni 2009

Vrij Nederland Nr. 14, April 2009
(Engl. translation)

(Dt. Übersetzung)

Het Financieele Dagblad, Januar 2009

Süddeutsche Zeitung, Januar 2006

Filosofie Magazine, April 2003

NZZ, Februar 2003

Die Zeit, Januar 2003

taz, September 2002

Tagesspiegel, Oktober 2000

Die Unbekümmertheit von Susan Neiman

Von Michael Zeeman

Trefflich streiten lässt sich mit Susan Neiman über das Böse und Ideale in einer zynischen, nüchternen Welt. Dabei wiegen Argumente und Einsichten unvergleichlich schwerer als eine Menge Fußnoten.

Dass es einem mit der Philosophie bitterer und heiliger Ernst sein kann, wird sich niemand weniger vorstellen können, als diejenigen, die sie lehren, schreibt Schopenhauer in seiner Abhandlung "Über die Universitätsphilosophie". Diese ressentimentgeladene, höhnische Schrift ist gut 150 Jahre alt. Aber es hat nicht nur den Anschein, als wäre sie gestern verfasst, sie erweckt auch den Eindruck, die heutige Situation der akademischen Philosophie geradezu peinlich genau widerzuspiegeln. Wer einen Sinn dafür hat, meint Schopenhauer, lässt sich von jedem Buch "irgend eines echten Philosophen, das ihm in die Hände fällt, mächtiger und wirksamer anregen, als der Vortrag eines Kathederphilosophen, wie ihn der Tag gibt, es vermag". Das Studium von Susan Neiman war, wie es sich gehört: an der Harvard University bei John Rawls und Stanley Cavell, anschließend an der Freien Universität in Berlin. Nach dem Erwerb ihrer Diplome und Titel hat sie, auch das gehört sich so, an der Universität in ihrer heutigen Erscheinungsform Philosophie gelehrt, sprich: an der Yale University und der Universität von Tel Aviv. Die wiederholte Lektüre von Kant führte zu einem beachtenswerten Buch über dessen kritische Philosophie. Bis dahin war an diesem Denken und dieser Laufbahn wenig aufregend.

Aber bringt die institutionelle Produktion philosophischer Untersuchungen und Kommentare je Überraschendes mit sich, Einsichten, die auch andere anstecken, nicht nur die unmittelbaren Kollegen und Teilnehmer an Konferenzen? Selten: Ludwig Wittgenstein war im Flugzeugbau beschäftigt, Hannah Arendt arbeitete in einem Verlag, und wo Michel Foucault seine giftigsten Einsichten her hat, möchte die Zunft lieber nicht wissen.

Das jüngste Buch von Neiman heißt Moral Clarity - im Untertitel A Guide for Grown-up Idealists. Erschienen ist es letztes Jahr - was passender nicht hätte sein können. Dass Ideale ausgedient haben und Ideologien - seien es politische, moralische oder gesellschaftliche - nicht mehr die geringste Chance haben in einer von Neoliberalismus, postmoderner Skepsis und Globalisierung eingeebneten Welt des Denkens, war ein Lied, das schon so oft gesungen worden war, dass kein Mensch mehr da einstimmen wollte.

Mit dem Idealismus schien es passé zu sein, in Wirklichkeit war es eine Metamorphose. Man wird nicht ohne Ungemach erwachsen. Lassen sich moralische und politische Fragen ausschließlich dadurch beantworten, dass man sie begrifflich analysiert, oder haben sie nicht vielmehr ihren Sitz im Leben? Ist es nicht etwas kindisch, derartige Fragen systematisch mit Wortspielereien wegzurelativieren, die höchstens vom Scharfsinn ihrer Erfinder zeugen? Davon hatte Neiman genug, deshalb legte sie den akademischen Talar ab, um ein Wagnis einzugehen, das Wagnis, das jede Form von aufgeklärtem Engagement mit sich bringt.

Ein paar Jahre zuvor hatte sie bei ihrem Umzug nach Berlin - sie wurde dort Direktorin des Potsdamer Einsteinforums - die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und sich gefragt, was die Philosophen in der Vergangenheit eigentlich mit dem Bösen angefangen haben. Für jemanden mit jüdischem Hintergrund war Berlin genau der richtige Ort dafür. Heraus kam dabei Evil in Modern Thought, eine Neuinterpretation der Geschichte der philosophischen Erklärungen für das Böse. Ihr Blick weilt ebenso unverwandt auf den Büchern dazu wie auf der Realgeschichte.

Das ist gewagt und befreiend. Gewagt, weil jedes philosophische Denken sich in die Strenge der Tradition einzuordnen hat, befreiend, weil die Philosophie auf diese Weise aus dem engen Korsett der Fachdisziplin herauskommt. Trefflich streiten lässt sich mit Neiman über das Böse und Ideale in einer zynischen, nüchternen Welt. Dabei wiegen Argumente und Einsichten unvergleichlich schwerer als eine Menge Fußnoten; schon gar nicht wird immer bloß nach den großen Namen geschielt.

In Moral Clarity ist ihr Zorn mit Händen zu greifen, der über die verlogenen Anmaßungen der amerikanischen Regierung und der auf die Intellektuellen, die ihnen höhere Weihen verliehen. Wie George W. Bush und die Seinen unentwegt den ‚Realismus' und die ‚Nüchternheit' im Munde führten, das entlarvt sie als heimtückische Ideologie. Damit zerrt sie die Philosophie ins Rampenlicht der Öffentlichkeit, eben dahin, wo die gesellschaftliche Debatte stattfindet. Ich meine, davon profitieren sie beide: die Philosophie und die gesellschaftliche Debatte. Man könnte Neimans Unbekümmertheit auch als die Philosophie für das Zeitalter Obama beschreiben: Wage es, dich deines Verstandes zu bedienen, und stelle ungeniert moralische Fragen.

Nachdem ich Moral Clarity gelesen hatte, bin ich sofort nach Berlin gefahren, um mit ihr darüber zu disputieren. Seitdem ist der Gesprächsfaden nicht abgerissen. Von den erstaunlichsten Orten wird er immer wieder aufgenommen - die letzte Mail erhielt ich aus Haiderabad in Indien. Ich kann Ihnen, schrieb sie letzte Woche, als sie mich einlud, einen Vortrag zu halten, nichts anderes bieten "als gute Gespräche und gute Gesellschaft". Aber ist das nicht genau das, womit schon Sokrates einen geködert hat?

***
Susan Neiman (Atlanta 1955) studierte Philosophie an Harvard und an der Freien Universität in Berlin. Sie promovierte bei John Rawls, lehrte in den USA an der Yale University und in Israel an der Universität von Tel Aviv. Zur Zeit ist sie Direktorin des Potsdamer Einsteinforums. Über ihre Erfahrungen als Jüdin in Deutschland schrieb sie "Slow Fire" (1992). Internationale Anerkennung erhielt sie für "Evil in Modern Thought" (2004) und "Moral Clarity" (2008). Neiman schreibt regelmäßig für die New York Times, The Boston Globe, The Globe and Mail, Dissent Magazine, Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung und den Freitag.

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